SUP-Tour vom Ammersee auf die Amper

Foto: Valeri Regehr

Ein herrlicher, warmer Herbsttag mit strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel: Eine Einladung für wahrscheinlich die letzte ausgiebige Stand Up Paddling Tour in diesem Jahr, bevor der triste Herbst und der kühle Winter Einzug halten. Auf Kathrine, Valeri und mich wartet eine traumhafte Tour „vom Ammersee auf die Amper“.

Bei SUP-Touren mit unterschiedlichen Start- und Endpunkten lohnt es sich, mehrere Fahrzeuge zu haben. So kann jeweils ein Auto am Start- und einen am Endpunkt abgestellt werden. Wir treffen uns Sonntagmittag auf dem Parkplatz des Freizeitbades „AmperOase“ in Fürstenfeldbruck. Dieser liegt direkt am Ausstieg und ist kostenfrei. Wir laden die Boards, Paddel und sonstige Ausrüstung in ein Auto und machen uns auf dem Weg nach Eching – stehen aber zunächst im Stau. Denn nicht nur wir wollen den wunderschönen Herbsttag nutzen. Gefühlt ist halb München rund um den Ammersee unterwegs. Bekommen wir einen Parkplatz in Eching direkt am Strandhaus,  Ufer und dem lokalen SUP-Verleih? Ja, denn Kathrine wartet bereits auf uns und hält den gerade frei gewordenen Parkplatz mit ihrem bereits fertig aufgepumpten SUP-Board für Valeri und mich frei. Ein Traum!

Wir holen unsere Inflatable-SUPs aus dem Auto, pumpen sie auf und ziehen uns an. Bei 20 Grad Außentemperatur aber nur knapp über 10 Grad Wassertemperatur ist es gar nicht so leicht zu entscheiden, welche die richtige Kleidung ist. Der Trockenanzug ist zu warm, eine Boardshort bei diesen Temperaturen nicht geeignet. Ich entscheide mich für eine dünne Neoprenhose, ein Shirt und meine geliebte O’Neill-Jacke mit leichtem Neopren-Anteil. So bin ich flexibel, wenn es doch zu warm wird. Meinen Trockenanzug packe ich als Wechselkleidung neben Wasser und Müsliriegeln in meinen wasserfesten Packsack, der mit aufs Board kommt.

Starpunkt Echoing am Ammersee mit Alpenblick

Am Ufer staunen die Fußgänger nicht schlecht, als wir unsere Boards zu Wasser lassen. Ist das nicht zu kalt? Bei diesen Wassertemperaturen Stand Up Paddeln gehen? An diesem Tag sind wir aber nicht die Einzigen, die aufs Wasser gehen. Am Echinger Ammerseeufer liegen zahlreiche SUP-Boards. Wir starten unsere SUP-Tour auf dem Ammersee und genießen zunächst den klaren Blick über das ruhige Wasser in Richtung Süden und die Alpengipfel.

Klarer Blick auf die Alpen (Foto: Thomas Pfannkuch)
Klarer Blick auf die Alpen (Foto: Thomas Pfannkuch)

Entlang des Ufers und vorbei an zwei kleinen Inseln paddeln wir Richtung Stegen und dem Amperabfluss. Wir entdecken auf dem gut 2 Kilometer langen Abschnitt von Schilf umgebene kleine Badebuchten. Im Sommer werden diese aber wohl leider auch sehr belagert sein – denken wir uns zumindest. Auf der rechten Seite kommt kurz darauf der Schiffsanleger von Stegen sowie das bekannte Restaurant „Fischer“ ins Blickfeld. Die Ausflugsdampfer fahren diesen Anlegepunkt eher von Osten her an, weshalb es sich entspannt auf den Amperabfluss von Westen zupaddeln lässt.

Amperabfluss am Nordende des Ammersees (Foto: Thomas Pfannkuch)
Amperabfluss am Nordende des Ammersees (Foto: Thomas Pfannkuch)

Eine kleine Stromschnelle markiert das Ende des Ammersees und den Beginn der Amper. Gemeinsam mit der Ammer, dem Zufluss des Ammersees, bildet die Amper ein zusammenhängendes Flusssystem. Die Amper bildet dabei den Abschnitt vom Seeausfluss bis zur Mündung in die Isar bei Moosburg. Insgesamt kommen die beiden Flüsse so auf eine Länge von knapp 170 Kilometern.

Amper-Abfluss (Foto: Valeri Regehr)
Amper-Abfluss (Foto: Valeri Regehr)

Natur pur genießen mit dem SUP auf der Amper

Der erste Abschnitt der Amper vom Ammersee bis nach Grafrath ist hinter der Autobahnbrücke der A96 eine traumhafte Naturidylle, in der sich nicht nur Paddler wohlfühlen. Besonders im Abschnitt zwischen Stegen und Fürstenfeldbruck ist die Flusslandschaft ein wichtiger Lebensraum für teils auch seltene Vogelarten. Um die Brut und die Aufzucht nicht zu stören sowie dem Natur- und Umweltschutz gerecht zu werden, besteht von Stegen bis Grafrath und zwischen Schöngeising und Fürstenfeldbruck jährlich vom 1. März bis zum 15. Juli ein Befahrungsverbot. Das komplett naturbelassene und unberührte Ufer der Amper ist gesäumt von Schilf, Totholz und Ästen, die bis ins Wasser ragen. Über die Böschung hinaus blicken wir auf weitläufige Landwirtschaftsflächen und kleine Wälder.

Amper-Abschnitt zwischen Stegen und Grafrath (Foto: Thomas Pfannkuch)
Amper-Abschnitt zwischen Stegen und Grafrath (Foto: Thomas Pfannkuch)
Traumhafte Natur am Rande der Amper (Foto: Thomas Pfannkuch)
Traumhafte Natur am Rande der Amper (Foto: Thomas Pfannkuch)

Rast in Grafrath direkt an der Amper – mit Spaßfaktor im Sommer

Nach rund 6,5 Kilometern erblicken wir die Wallfahrtskirche Sankt Rast, die den Ortseingang von Grafrath markiert. Direkt dahinter nutzen wir die kleine Grünfläche auf der linken Seite für eine kurze Rast. Wir holen unsere SUP-Boards aus dem Wasser, blicken zurück auf die bereits absolvierte Strecke und genießen die mitgebrachte Brotzeit in der warmen Herbstsonne. Direkt gegenüber wurde auf einem Baum, der über die Amper ragt, mit Holzlatten eine Leiter gebaut. An einem dicken Ast ein Seil befestigt, mit dem sich über die Amper schwingen und an heißen Sommertagen genüsslich ins Wasser springen lässt.

Hang Loose auf der Amper (Foto: Kathrine Hesshaimer)
Hang Loose auf der Amper (Foto: Kathrine Hesshaimer)

Nach der kurzen Pause machen wir uns Richtung Schöngeising auf den Weg, unserem nächsten Etappenziel. Zunächst durchfahren wir mittig die direkt am Rastplatz befindliche Stromschnelle. Wer nicht nass werden und lieber umtragen möchte, kann dies problemlos tun. Danach paddeln wir unter einer kleinen Holzbrücke hindurch, bevor die Amper mitten durch den Ort fließt. Anwohner, deren Häuser direkt am Ufer stehen, unterhalten sich hier direkt über den Fluss hinweg. Als wir gerade vorbeipaddeln sprechen sie darüber, welcher Kuchen gleich zum Kaffee auf den Tisch kommt. Wir mischten uns nicht ein – ein Stück Kuchen wäre aber sehr verlockend gewesen. Hinter Grafrath nimmt die Fließgeschwindigkeit der Amper noch einmal deutlich zu, sodass die Landschaft quasi wie im Flug an uns vorbeirauscht. Wir paddeln dem Flussverlauf folgend durch herbstlich gefärbte Wälder. Die Schönheit des Herbstes zeigt sich an den Bäumen in unterschiedlichsten Farben – von grün über orange bis rötlich ist alles dabei. Dieses Farbenspiel kann man nur im Herbst erleben – und sollte man erleben. Auf dem SUP präsentiert sich die Landschaft noch einmal in einem ganz anderen Bild.

Amperbrücke in Grafrath (Foto: Thomas Pfannkuch)
Amperbrücke in Grafrath (Foto: Thomas Pfannkuch)
Herbststimmung entlang der Amper (Foto: Thomas Pfannkuch)
Herbststimmung entlang der Amper (Foto: Thomas Pfannkuch)

SUP-Umtragen am ältesten Wasserkraftwerk Deutschlands

Fünf Kilometer weiter erreichen wir den kleinen Ort Schöngeising. An dem Abzweig halten wir uns links uns steigen erst direkt vor dem historischen Kraftwerk an dem gut gekennzeichneten Umtragepunkt aus dem Wasser. Das Kraftwerk wurde 1891/92 nach den Plänen von Oskar von Miller erbaut. Als eines der ersten Wasserkraft-Elektrizitätswerke in Deutschland steht das Gebäude heute unter Denkmalschutz. An dem Umstieg müssen die SUP-Boards nur wenige Meter zum anderen Amperzweig getragen werden, um sie dort hinter dem Wehr wieder zu Wasser zu lassen.

Umtragen in Schöngeising (Foto: Valeri Regehr)
Umtragen in Schöngeising (Foto: Valeri Regehr)

Direkt nach dem Ortsende Schöngeisings wartet eine letzte „Klippe“ auf uns: die dritte und größte Stromschnelle. Sie ist aber tief genug, um mit dem SUP drüberzufahren, ohne mit der Finne hängen zu bleiben. Die Stelle kann auch problemlos umtragen werden. Kurze Zeit später paddeln wir in die Amperauen südlich von Fürstenfeldbruck hinein. In den Auen sind zahlreiche Biberbauten vom Wasser aus erkennbar. Das Tierchen fühlt sich hier sichtlich wohl. Es geht auf den letzten Kilometern durch das Naturschutzgebiet mit kiesigen Ufern, kleinen Seitenarmen und Inseln. Auch zahlreiche Vogelarten haben das Tal und die umliegenden Hänge zu ihrer Heimat gemacht. Deshalb besteht auch hier das vorhin angesprochene Befahrungsverbot.

Stromschnelle hinter Schöngeising - sicher im Knien durchfahren (Foto: Valeri Regehr)
Stromschnelle hinter Schöngeising – sicher im Knien durchfahren (Foto: Valeri Regehr)

Vorbei am Kloster Fürstenfeld zum Ausstieg

Kurz hinter der Eisenbahnbrücke erreichen wir ein breites, seeähnliches Gebiet. Rechter Hand können wir in etwas Entfernung das Kloster Fürstenfeld erblicken. Es wurde 1263 von Herzog Ludwig II. gestiftet und diente als ehemaliges Hauskloster der Wittelsbacher. Die vom Wasser gut sichtbare Klosterkirche St. Maria zählt unter Architekten als eines der Hauptwerke des süddeutschen Spätbarock. Wiederum nur wenige hundert Meter später haben wir nach knapp über 20 Kilometern uns Ziel erreicht. Direkt vor der kleinen Brücke steigen wir glücklich über ein schwimmendes Podest am linken Ufer aus. Dank der teils deutlich spürbaren Strömung und unserem zügigen Tempo paddelten wir die gesamte SUP-Tour in gut 3,5 Stunden.

Kloster Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck (Foto: Thomas Pfannkuch)
Kloster Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck (Foto: Thomas Pfannkuch)

Für Paddler, die nicht die gesamte Distanz paddeln wollen, lässt sich die Tour auch unterteilen oder verkürzen. Gute Ein- bzw. Ausstiegspunkte für Teiletappen sind Stegen, Graftrath oder Schöngeising. Die Tour mit Start in Eching am Ammersee und Ende in Grafrath hat dann eine Länge von etwas weniger als 10 Kilometern, was mit der Strömung auf der Amper ab Stegen problemlos machbar ist. Wer unberührte Natur in vollkommener Stille auf dem SUP erleben möchte, der sollte nächsten Sommer eine SUP-Tour auf der Amper einplanen.

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